Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein

Fit für den Grenzhandel

Die Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein bietet Qualifizierungen für den Grenzhandel. Die achte Klasse der Kooperativen Gesamtschule aus Reinfeld hat sich an Bord einer Scandlines Fähre ein Bild davon gemacht.

Puttgarden, Montagmorgen 10 Uhr: Die See ist ruhig, im Gegensatz zur Stimmung an Bord – hier läuft der Betrieb bereits auf Hochtouren. Die „Deutschland“, eine Fähre der Reederei Scandlines, ist bereit abzulegen. 45 Minuten dauert eine Überfahrt in das etwa 20 Kilometer entfernte Rodby an der dänischen Küste. Neben den täglichen Passagieren, macht heute die achte Klasse der Kooperativen Gesamtschule aus Reinfeld das Deck unsicher. Sie haben die Möglichkeit das Schiff zu erkunden und alles rund um das Thema Grenzhandel zu erfahren.

Der Rundgang unter Deck beginnt vielversprechend. In den Läden riecht es nach Parfüm und Süßem. Hier werden Shampoos, Seifen, Spirituosen, Süßigkeiten und Zigaretten verkauft. Außer den fünf Geschäften, befinden sich noch eine Caféteria und ein Restaurant an Bord. „Vor allem Skandinavier nutzen den Aufenthalt auf dem Schiff für einen Einkaufsbummel“, erzählt Donald Pape, Geschäftsführer der Scandlines Catering GmbH.

Draußen ist es dann nicht nur grau in grau, sondern auch ziemlich windig. Aber von der Brücke aus hat Kapitän Boris Köhm und sein Team alles unter Kontrolle. Über Bildschirme hat er Sicht auf alle Seiten des Schiffes. Aufmerksam beobachtet er die See und erzählt nebenbei, dass er schon überall auf der Welt gewesen sei und jetzt wegen seiner Familie in die heimische Ostsee zurückgekehrt ist.

Doch es gibt nicht nur Seeleute an Bord. Auch Köche, Kellner, Reinigungskräfte und Verkäufer arbeiten hier. Außerdem kann man sich zur Hotelfachfrau, zum Verkäufer oder zum Schiffsmechaniker ausbilden lassen. Thorsten Roocks von der ARGE Ostholstein und Volker Nadolni von der Wirtschaftsakademie erläutern, wie die Zusammenarbeit mit der Reederei Scandlines zustande gekommen ist. „Scandlines suchte dringend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Da kamen wir ins Spiel. Unsere Aufgabe war und ist es, Menschen für den ,ersten Arbeitsmarkt’ zu qualifizieren“, berichtet Volker Nadolni. Innerhalb von vier Monaten werden Teilnehmer „fit für den Grenzhandel“ gemacht. Das Seminar wendet sich an Personen, die ihre berufliche Zukunft im Verkauf oder Service sehen. Vermittelt werden neben der dänischen Sprache und kaufmännischen Grundlagen auch Teamfähigkeit, Kundenorientierung und moderne Kassensysteme. Bei Interesse kann sogar ein Gabelstaplerschein erworben werden.

Frauke Nentwig (47) nimmt seit acht Wochen an dem Projekt der Wirtschaftsakademie teil. „Wir wurden vom Arbeitsamt angeschrieben und gefragt, ob wir uns eine Zukunft im Einzelhandel vorstellen können. Und ja, ich bin gerne an Bord und mir macht die Arbeit Spaß“, so Frauke Nentwig. Auch Matthias Jährig (23) nimmt als Umschüler teil. „Ich mache die Arbeit am Computer besonders gern“, so der Teilnehmer.

Das Fazit der Klasse im Anschluss: Wer hätte gedacht, dass in Puttgarden im Winter so viel los ist.

Von der Klasse 8d der Kooperativen Gesamtschule Reinfeld

(aus: Lübecker Nachrichten, 19.02.2009)