Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein

Probleme mit dem Chef? Wie Ausbildungsbetreuer helfen

Schon in der Schule gemobbt und jetzt Probleme in der Ausbildung? Dies ist einer der vielen Fälle von Anneliese Niehoff.

Anneliese Niehoff ist seit zwölf Jahren Ausbildungsbetreuerin in der Niederlassung der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in Ahrensburg und zuständig für den Kreis Stormarn und das Herzogtum Lauenburg. Sie hat hauptsächlich mit Jugendlichen zwischen 17 und 19 Jahren zu tun, die Probleme in der Ausbildung haben. Die meisten von ihnen haben einen Hauptschulabschluss, einige auch Realschulabschluss, Abitur oder keinen Abschluss. 60 Prozent der Jugendlichen haben Probleme mit dem Chef oder den Kollegen. Über- und Unterforderung, fachliche Probleme, schlechte Noten und schlechtes Benehmen sind Gründe für Schwierigkeiten während der Ausbildung. Häufige Ursachen für Konflikte sind Missverständnisse zwischen Auszubildendem und Chef. "Chefs sehen häufig ganz andere Probleme als ihre Auszubildenden", sagt Anneliese Niehoff.

So wurde zum Beispiel einer Auszubildenden zur Bürokauffrau die Ausbildung gekündigt, ohne dass diese wusste, warum. Auf Niehoffs Nachfrage beim Chef hieß es: "Haben Sie ihre Fingernägel mal gesehen?". . .

Um den Jugendlichen zu helfen, ist Anneliese Niehoff fast täglich bis 20 Uhr erreichbar, bei Notfällen wie Ausbildungsabbruch oder Ähnlichem auch außerhalb der festen Zeiten. Die Probleme lassen sich meist durch ein Gespräch beheben. Bei diesen Gesprächen achtet die Ausbildungsbetreuerin darauf, die Jugendlichen auf Fehler hinzuweisen, aber ihnen nicht vorzuschreiben, was sie genau zu tun haben.

So findet sie mit ihnen gemeinsam Lösungswege, und die Jugendlichen wissen, was sie bei ihrer Ausbildung besser machen können. Manchmal wird aber auch als einzige Lösung ein Wechsel des Berufs oder des Ausbildungsplatzes gesehen.

Auf die Frage, ob ihr Beruf sie psychisch stark belaste, erklärt Anneliese Niehoff, dass sie starke Grenzen zwischen Beruf und Privatleben ziehe: "Normalerweise denke ich im Privatleben nicht über meine Fälle nach." Nur manchmal ist sie von einem Fall so sehr betroffen, dass sie ihn auch im Privatleben nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Dann hilft es ihr immer, darüber zu reden. Von der Klasse 9 a der IGS Bad Oldesloe

(aus: Lübecker Nachrichten, 22.03.2007)