Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein

Kabale und Liebe in neuem Gewand

„Schiller hat für das Publikum geschrieben, nicht für den Deutschunterricht“, stellten die Lichtgestalten gleich zu Anfang der Theaterpremiere ihrer Neuinterpretation von „Kabale und Liebe“ am 12. September klar.

Das Ensemble aus Studierenden, Fachschülern, Absolventen und Dozenten der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein hatte in den vergangenen Jahren unter anderem die selbst verfassten Stücke „18 Zimmer, Küche, Flur“,„Fehldiagnose! Oder warum Liebe wie Blinddarm ist“ und mit „Faust als Betriebswirt“ auch die moderne Version eines Klassikers auf die Bühne gebracht. Als „Kabale und Liebe“ im ausverkauften Kieler KulturForum mit der für viele nur noch schwer verständlichen Originalszene startet, schaut das Publikum zumeist gefordert. Doch dann die erlösende Botschaft: Uns ist der Inhalt wichtig, nicht die Form. Also werden zwar die Namen beibehalten und auch immer wieder Zitate aus Schillers Original eingeflochten, dennoch spielt das Ganze in heutiger Zeit.

Im Mittelpunkt des Stückes steht das junge Paar Ferdinand von Walter und Luise Miller. Die Studentin steckt ihr ehrenamtliches Engagement in eine Friedensinitiative und ist der Stolz ihrer Eltern. Eine Lachgarantie bieten dabei die kleinen Episoden aus Familie Millers Leben: So zeigt die gelangweilte Mutter erst Interesse an ihrem alles reparierenden Ingenieursgatten, als dieser seine neue Position nicht als Bereichsleiter sondern „Neudeutsch“ als Head Division Manager vorstellt. „Heavy,“ ruft Mutter Miller immer wieder verzückt, was sich zu einem echten Dauerbrenner auf der Bühne entwickelt.

Der aus gutem Hause stammende Ferdinand hat eine Karriere in der Rüstungsfirma seines Vaters vor sich. Damit das trotz kritischer Freundin so bleibt, stehen dem Präsidenten von Walter sein Pressesprecher Wurm und Lady Milford zur Seite. Sie ist eine wohlhabende Charity-Lady, die - nicht zuletzt aufgrund ihrer engen Kontakte zum Verteidigungsministerium - als ideale Verbindung für den eigenen Sohn gilt. So stellen sich dem jungen Paar gesellschaftliche Zwänge und der Missmut der Eltern entgegen, die größer zu sein scheinen als die Kraft der Liebe. Im Geflecht von Rüstungsindustrie und Verteidigungsministerium, wo auch Anspielungen auf einen ehemaligen Minister und seine Plagiatsaffäre nicht fehlen dürfen, spitzt sich die Situation schließlich zu.

Aufgelöst wird die Intrige schließlich mit Bezug auf einen aktuellen politischen Brandherd. So schicken die Lichtgestalten ihr Publikum nachdenklich in die Nacht und geben ihnen zum Abschied noch einige Zahlen zum Rüstungsgeschäft mit auf den Weg. Für diese kritische, gelungene Überführung von Schillers Klassiker in die Moderne wurden die neun Darsteller gebührend vom Premierenpublikum gefeiert. Trockener Deutschunterricht sieht anders aus, hier wurden die Zuschauer mit großer Spielfreude in die Welt von Liebe, Macht, Gier und Intrigen entführt. Ob sich Ferdinand und Louise am Ende doch noch kriegen, sei hier nicht verraten.

Alle Informationen zu den Lichtgestalten sind auch im Internet unter www.theater-lichtgestalten.de zu finden.