Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein

Industriemeister Metall (IHK): Kurzentschlossen zum Meister

Vom Stadtbummel zum Industriemeister – die Weiterbildung von Ayhan Kilinc begann ungewöhnlich. „Eigentlich wollte ich mit meiner damals schwangeren Frau nur spazieren gehen. Da ich zu der Zeit nicht wirklich zufrieden im Job war, sind wir spontan zur Industrie- und Handelskammer gegangen, um uns über eine mögliche Weiterbildung zum Industriemeister zu informieren“, berichtet der Kieler.

Von dem Moment an ging alles ganz schnell: Von der IHK erfuhr er, wo überall Meisterlehrgänge angeboten werden und entschied sich, direkt zur Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein zu fahren. Dort informierte ihn Seminarsekretärin Lydia Gaßner über Inhalte und Ablauf der Weiterbildung. „Sie fragte mich, wie spontan ich sei, da der neue Durchgang schon am nächsten Tag starten würde.“ Ayhan Kilinc ließ sich überzeugen und meldete sich für den zweijährigen Lehrgang an. „Ich wollte meinen Meister sowieso irgendwann machen, aber ohne diesen Ruck – überwiegend von meiner Frau - würde ich wahrscheinlich immer noch zögern“, schmunzelt der 34jährige rückblickend.

Jeden Montag- und Mittwochabend sowie samstags kam er zum Lernen in die Wirtschaftsakademie. Gleich am ersten Tag stand Chemie auf dem Unterrichtsplan – ein Fach, mit dem er sich seit gut 15 Jahren nicht mehr beschäftigt hatte: „Anfangs dachte ich, ich würde das nie schaffen. Aber man muss einfach wieder lernen zu lernen“, erklärt Kilinc. Schnell fand er sich in den Lernalltag ein. So standen für ihn und seine Mitstreiter unter anderem auch BWL, Qualitätsmanagement, betriebliches Kostenwesen, Personalführung sowie Betriebs- und Fertigungstechnik auf dem Programm. Die Weiterbildung noch neben dem Job zu meistern war jedoch auch eine Herausforderung für den jungen Familienvater, der im Schichtsystem eingesetzt wird. Unterstützung erhielt er von seinem Arbeitgeber, dem Gelenkwellenbauer GKN in Kiel, der ihn in den Spätschichten für den Unterricht freistellte.

An der Akademie interessierte Ayhan Kilinc die Betriebswirtschaft besonders: „Ich habe schon immer Menschen bewundert, die sich eine eigene Firma aufgebaut haben. Daher fand ich es sehr spannend zu erfahren, was alles dazugehört.“ Mit dem Verständnis für größere wirtschaftliche Zusammenhänge sieht er inzwischen auch Abläufe im eigenen Unternehmen aus einer anderen Perspektive: „Ich weiß jetzt wie wichtig es ist, dass wir konkurrenzfähig bleiben und die Maschinen laufen. Und wenn es der Firma gut geht, geht es auch mir gut.“

Wie schaffte Ayhan Kilinc es, sich mehr als zwei Jahre lang zu motivieren? Zum einen freue man sich auf die vielen beruflichen Möglichkeiten, die sich als Industriemeister ergeben, erklärt der Maschinenbediener und fügt hinzu: „Und ich wollte einfach den Meisterbrief meiner Familie zeigen, damit sie stolz auf mich sind und die Zeit, die wir als Familie verloren haben, sinnvoll investiert war.“

Anfang 2012 hat der 34jährige nun die Prüfungen mit Bravour bestanden und sich jetzt auf Meisterstellen in seinem Unternehmen beworben. Seit dem Lehrgang bei der Wirtschaftsakademie weiß er: „Wenn man etwas wirklich will, kann man alles schaffen.“

Industriemeister Metall (IHK) - Pumpentechnik fest im Griff

Industriemeister Metall (IHK) - wenn alles gut geht, kann Helge Hinrichs aus Tönning sich bereits im Sommer 2009 so nennen. Bereits seit einem halben Jahr drückt der 23-Jährige Mechaniker für Maschinen und Systemtechnik die Meisterschulbank bei der Wirtschaftsakademie in Kiel – und ist schon jetzt froh, sich für den Lehrgang entschieden zu haben.

Denn obwohl der junge Mann aus der Nähe von Husum viel Freude an seiner jetzigen Arbeit beim Pumpen-Hersteller Sterling SIHI hat, spielte er seit längerem bereits mit dem Gedanken, sich noch weiter zu qualifizieren. „Ich hatte das Gefühl, beruflich ein wenig auf der Stelle zu treten“, erinnert sich Helge Hinrichs. Er fügt augenzwinkernd hinzu: „Das fand ich für meine 23 Jahre eindeutig zu früh.“

Unterstützt durch seinen Arbeitgeber besucht der Tönninger daher seit sechs Monaten die Weiterbildung bei der Wirtschaftsakademie. Er erzählt: „Ich besuche den Lehrgang in Vollzeit, also jeden Tag von 8.00 bis 15.00 Uhr. Für mich ist das optimal, da ich so genügend Zeit habe, den Stoff abends nachzuarbeiten und mich gründlich auf die einzelnen Prüfungen vorzubereiten.“

Die ersten Prüfungen hat Hinrichs auch erfolgreich hinter sich gebracht. „Vor einigen Monaten standen für mich und meine 16 Mitstreiter bereits Prüfungen in den Fächern Mathematik, Betriebswirtschaftslehre, Kommunikation und Präsentation sowie Recht und Zusammenarbeit im Betrieb auf dem Programm –  ich habe alle gut bestanden“, freut sich der angehende Industriemeister.

Den großen Abschlussprüfungen in den Fächern Technik, Organisation und Personalführung- und Entwicklung im Sommer sieht Helge Hinrichs daher entsprechend gelassen entgegen. Er sagt: „Ich fühle mich durch unsere engagierten Dozenten sehr gut vorbereitet. Außerdem haben wir Gruppen gebildet, in denen wir uns gegenseitig beim Lernen unterstützen. Das klappt wirklich prima.“ Auf die kommenden Aufgaben, die ihn als frischgebackenen Meister erwarten, freut sich der 23-Jährige: „Ich kann es kaum erwarten, mich den neuen Herausforderungen zu stellen.“

Industriemeister Metall (IHK): Mehr Verantwortung im Betrieb

„Verantwortung übernehmen und selber wichtige Entscheidungen treffen – das wollte ich auch!“ – Rüdiger Stieglitz muss nicht lange überlegen, warum er 2007 die Meisterschule für angehende Industriemeister Metall (IHK) bei der Wirtschaftsakademie in Glinde besucht hat. Heute, zwei Jahre später, hat der 39-Jährige es geschafft: Er ist Schichtmeister in dem Kunststoff verarbeitenden Betrieb Clariant in Ahrensburg – und das, obwohl der Weg zum Industriemeister für ihn nicht immer leicht war.

„Meine Ausbildung zum Betriebssschlosser habe ich damals in Lübeck gemacht“, erinnert sich der Vater dreier Kinder. „Anschließend habe ich mal hier, mal da in Norddeutschland gearbeitet. Oft über Zeitarbeitsfirmen“, erzählt er weiter.

1998 ging es dann für Rüdiger Stieglitz zu Clariant. „Angefangen habe ich dort als Maschinenführer, habe mich aber nach einiger Zeit zum Vorarbeiter, später sogar zum stellvertretenden Schichtleiter hochgearbeitet“, erzählt er stolz. Doch beim stellvertretenden Schichtleiter sollte es für Stieglitz nicht bleiben. „Ich habe mich dann für die Meisterschule bei der Wirtschaftsakademie in Glinde angemeldet. Glücklicherweise hatte ich die komplette Unterstützung meines Arbeitgebers, so dass ich den Lehrgang neun Monate in Vollzeit besuchen konnte. So hatte ich denn neben der Meisterschule nicht nur genügend Zeit zum Lernen sondern auch noch genug Zeit für meine Familie.“

Ein Dreivierteljahr standen für den Schleswig-Holsteiner und 19 Mitstreiter aus verschiedenen Branchen Theorie und Praxis für angehende Industriemeister bei der Wirtschaftsakademie auf dem Programm. Das Überraschende dabei für Stieglitz: Vor allem die Theorie machte ihm großen Spaß. „Das war schon toll, sich beispielsweise neues Wissen über Personalführung, Betriebswirtschaftslehre und Mathematik anzueignen.“

Weniger leicht fielen dem 39-Jährigen anfangs jedoch die Technik-Einheiten bei der Wirtschaftsakademie. „Seit meiner Ausbildung hat sich vieles verändert. Einiges war sogar komplettes Neuland für mich.“ In einer Lerngruppe mit anderen angehenden Industriemeistern (IHK) konnte Stieglitz sich jedoch auch den Technik-Lehrstoff schnell aneignen – und seine Meisterprüfung vor der Industrie- und Handelskammer letztendlich bravourös bestehen.

„Ich habe meinen Meister mit über 90 Prozent, also einer glatten Eins, gemacht“, freut sich Stieglitz. Lachend fügt er hinzu: „Ich habe mich selbst gewundert – so gut wollte ich eigentlich gar nicht abschneiden.“

Der Industriemeister ist heute immer noch froh, die Weiterbildung absolviert zu haben. „Gleich nach meinem Abschluss habe ich einen Meisterposten bei Clariant erhalten. Ich bin jetzt einer von drei Schichtmeistern und bin in der Produktion unter anderem für die Prozesssicherung und die Prozessoptimierung zu ständig.“ Stieglitz, der in einer Schicht die Verantwortung für bis zu 30 Mitarbeitern trägt, fügt hinzu: „Das ist wirklich eine anspruchsvolle Aufgabe. Ein bisschen weiter soll es für mich aber trotzdem noch gehen: Ich wäre gerne irgendwann einmal erster Schichtleiter.“

Industriemeister Metall (IHK) - Ein Kieler macht Karriere

Francisco Lopez, waschechter Kieler mit spanischen Vorfahren, hat sich wohl für das Berufsfeld schlechthin entschieden, in dem man in einer Hafenstadt arbeiten kann: „Ich habe meine Ausbildung zum Schiffbauer bei dem Kieler Traditionsunternehmen Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH (kurz: HDW) gemacht. "Das Maritime liegt mir einfach“, erzählt der 46jährige Familienvater.

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Doch beim Schiffsbauer alleine sollte es nicht lange bleiben. „Einige Jahre war ich  Erster Werker und Meistervertreter, wollte aber beruflich noch höher hinaus und entschied mich, meinen Industriemeister Fachrichtung Metall (IHK) zu machen“, erzählt Francisco Lopez weiter. Mit der Unterstützung seines Arbeitgebers HDW drückte Lopez von 1998 bis 2001 die Meisterschulbank bei der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in seiner Heimatstadt Kiel. „Meine Mitstreiter und ich hatten fast jeden Abend in der Woche Unterricht. Neben dem Job ist das natürlich eine ziemliche Herausforderung“, sagt der 46Jährige, fügt jedoch augenzwinkernd hinzu, „Aber wie sagt man doch so schön – ohne Fleiß, keinen Preis. Und schließlich wollte ich meinen Meister unbedingt schaffen!"

Und das hat Lopez auch: Nach drei Jahren Meisterschule mit Fächern wie Volkswirtschaftslehre, Recht, Projektmanagement, Kommunikation oder auch Betriebstechnik und Personalführung war es dann für den Kieler und seine 20 Mitstreiter so weit: Nach der Abschlussprüfung konnten alle Teilnehmer ihren Meisterbrief in den Händen halten. „Da war ich schon ein wenig stolz“, erinnert sich Lopez bescheiden, „zu mal ich mit einer Eins als Lehrgangsbester abgeschlossen habe.“

Beruflich lohnte sich die Weiterbildung schnell für den frischgebackenen Meister. „Ich bin schon während der Meisterschule bei uns in die Konstruktion und später auch in den Einkauf gewechselt und habe unter anderem das Claimmanagement bei HDW mit aufgebaut. Letzteres wird heute im gesamten Thyssen-Krupp Konzern mit Erfolg gelebt“
 
Doch schon ein Jahr nach der Meisterprüfung reizte es Francisco Lopez weiter zu lernen. „Ich wollte mich noch weiter qualifizieren – und habe mich dann wieder für eine Weiterbildung bei der Wirtschaftsakademie entschieden. Diesmal zum Technischen Betriebswirt (IHK).“

Die Weiterbildung, die speziell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Industriemeistern, Technikern und Ingenieuren zugeschnitten ist, dauerte weitere zwei Jahre und bedeutete wieder einmal fleißiges Lernen neben dem Job für den ehrgeizigen Kieler. „Ich habe fast jeden Abend mit drei weiteren Teilnehmern zusammen gesessen und die Unterrichtseinheiten nachgearbeitet. Dieses Mal standen vor allem Volks- und Betriebswirtschaft sowie Management für uns auf dem Programm“, erinnert sich Lopez, der mittlerweile im Vertrieb für einen großen Stuttgarter Konzern der Automobilbranche arbeitet.
 
Auch die Abschlussprüfung zum Technischen Betriebswirt (IHK) hat der Kieler mit Bravour gemeistert und freut sich, auch diesen Schritt  auf der Karriereleiter geschafft zu haben. „Ich habe durch den Unterricht ein völlig neues Weltbild bekommen, habe jetzt eine ganz andere Sicht fürs Betriebswirtschaftliche. Das hilft mir auf jeden Fall sehr bei meiner täglichen Arbeit.“
 
Beruflich wird es Francisco Lopez dennoch bald wieder zurück in seinen Heimathafen ziehen. „Wenn alles gut geht, bin ich bis zum Ende des Jahres wieder bei der HDW. Darauf freu ich mich schon sehr!"

UPDATE (01/2009)

Zurück zur HDW AG ging es für Lopez letztendlich doch nicht – seiner Heimatstadt ist der gebürtige Kieler aber trotzdem treu geblieben. Seit Januar 2009 arbeitet der Technische Betriebswirt (IHK) bei der Medizintechnik-Firma Stryker in Kiel-Schönkirchen – und ist überglücklich mit seinem neuen Job.

„Ich bin bei Stryker gemeinsam mit einem Kollegen für die Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen im Qualitätsmanagement im Schönkirchener Werk der weltweit operierenden Firma zuständig und unterstehe dem Qualitätsdirektor“, erzählt er nicht ganz ohne Stolz. Lopez fühlt sich sehr wohl in seinem neuen Betrieb und freut sich über die spannenden, neuen Aufgaben, die jetzt für ihn anstehen. „Als Spezialist für Qualitätsmanagement habe ich jetzt mit allen Dingen zu tun, welche für das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung relevant sind.“

Danach gefragt, ob ihm seine Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt bei seiner täglichen Arbeit hilft, antwortet der Deutsch-Spanier mit einem klaren „Ja“. Er ergänzt: „Ohne das Wissen, das mir an der Wirtschaftsakademie vermittelt wurde, wäre gar nicht daran zu denken, in einem so komplexen und anspruchsvollen Job zu arbeiten.“ Abschließend fügt er hinzu: „Aber wie heißt es doch so schön: Stillstand ist Rückschritt. Glücklicherweise tut mein jetziger Arbeitgeber aber so viel für die Qualifikation seiner Mitarbeiter, dass ich Gelegenheit haben werde, noch jede Menge dazuzulernen.“

Weitere Informationen

Weitere Informationen über die Weiterbildung zum/zur Industriemeister/in Metall (IHK) lassen sich mit einem Klick auf das Infosymbol entdecken. Neben dieser berufsbegleitenden Form kann der Lehrgang auch in Vollzeit bei der Wirtschaftsakademie belegt werden.