Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein

ProJob! Prozessorientiertes Jobcoaching

Kurzbeschreibung: ProJob! bietet Kunden und Kundinnen der Jobcenter Ahrensburg, Bad Oldesloe und Reinbek ein individuelles Coaching über insgesamt acht Monate. Ziel ist es, gemeinsam eine Strategie zu erarbeiten, um aus einem Minijob in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis zu wechseln oder gegebenenfalls andere Berufsperspektiven zu entwickeln und umzusetzen.

Beschreibung: Im Rahmen des individuellen Coachings bespricht jede/r Teilnehmer/in mit seinem persönlichen Coach die Themen und Handlungsfelder seiner Wahl. Bei der gemeinsamen Planung der Zukunft erfolgt eine Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, z. B. wenn Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen angestrebt werden. Ergänzend und auf Wunsch ist die Teilnahme an innovativen Coaching-Methoden möglich. Zur Auswahl stehen z.B. Talentcoaching, „Walk’n Talk“ – ein Bewegungscoaching – oder auch therapeutisches Kickboxen. Darüber hinaus wird ein Bewerbungstraining angeboten, das die Optimierung der Bewerbungsunterlagen ermöglicht, Kenntnisse für die Online-Stellenrecherche und -Bewerbungen vermittelt sowie Tipps und Hilfestellungen für die Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche bietet.

Voraussetzungen für die Teilnahme an dem Projekt ist eine Zuweisung durch das Jobcenter Stormarn, ein Mindestalter von 25 Jahren sowie ein bestehender Minijob. 

Projektziel: Zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit soll das Projekt ein Bewusstsein über die Folgen prekärer Beschäftigungssituationen schaffen und für die negativen Auswirkungen sensibilisieren. ProJob! möchte zu einer Einstellungs- und Verhaltensänderung sowohl bei den „Beschäftigten“ als auch bei den Arbeitgebern beitragen. Dabei sollen die Chancen einer Umwandlung eines Minijobs erkannt und Anreize zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung geschaffen werden. Auf diese Weise kann einerseits eine bessere Ausnutzung vorhandener Erwerbspotenziale ermöglicht und andererseits der Dauerarmut begegnet werden.

Laufzeit: 01.08.2014 – 30.07.2016

Förderung: Landesprogramm Arbeit (Gefördert durch die Europäische Union, Europäischer Sozialfonds (ESF) und das Land Schleswig-Holstein), Jobcenter Stormarn

Projektpartner: Jobcenter Stormarn

Weiterführende Information:
http://www.esf.schleswig-holstein.de 
 
http://www.ib-sh.de/lpa

Kontakt:
Gaby Ebbersmeyer
Humboldtstraße 25 a, 21509 Glinde

Tel.: 040 / 348 599 920
gaby.ebbersmeyer@wak-sh.de

Projekteinblicke

Minijob – Erfolgsgeschichte oder Auslaufmodell?

In Politik und Wirtschaft wird derzeit rege über das Thema Minijob diskutiert. Flexibilität und eine einfache Handhabung der Sozialabgaben stehen Vorwürfen wie Arbeitsverhältnissen zweiter Klasse und der Gefahr von Armut im Alter gegenüber. Um mit langzeitarbeitslosen Minijobbern individuelle berufliche Perspektiven zu erarbeiten und gleichzeitig Arbeitgeber zu sensibilisieren hat die Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in Kooperation mit dem Jobcenter Stormarn in Ahrensburg und Glinde das Projekt „ProJob!“ ins Leben gerufen.

Am 13. Oktober veranstalteten die Projektpartner in Kooperation mit dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe im Peter-Rantzau-Haus in Ahrensburg eine Vortragsveranstaltung für Unternehmensvertreter. Unter dem Titel „Minijob: Erfolgsgeschichte oder Auslaufmodell?“ referierten Experten über die Bedeutung und Auswirkungen für Betriebe und Beschäftigte, beleuchteten Minijobs aus steuerrechtlicher Perspektive und stellten die erfolgreiche Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse am Beispiel der Bockholdt KG dar. Das Jobcenter Stormarn informierte außerdem über Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber durch die Arbeitsagentur und das Jobcenter.

Die Referenten Dr. Jens Stegmeier und Torsten Lietzmann, beide vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), stellten zu Beginn die Ergebnisse einer Studie zum Thema vor. Die Zahl der Minijobber betrage demnach deutschlandweit rund 7 Millionen. 

In der Gastronomie und im Einzelhandel findet man laut Studie die größte Zahl an geringfügig Beschäftigten. Die Gruppe der Minijobber/innen sei dabei sehr heterogen, das gelte auch für deren Motive, so die Referenten. Während Studierende, Rentner und Hausfrauen/-männer größtenteils von dem abzugsfreien Zusatzeinkommen profitieren würden, erhofften sich Arbeitslose und Arbeitsuchende über den Minijobeinen einen Einstieg in ein dauerhaftes sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis.

Diese Brückenfunktion könne der Minijob aber nur in seltenen Fällen leisten, so die Arbeitsmarktexperten.

Die oft gerühmte Flexibilität der geringfügigen Beschäftigung für Arbeitgeber/innen wurde von Personalentwicklerin Julia Schuback von der Bockholdt KG relativiert. Das Dienstleistungsunternehmen mit Hauptsitz in Lübeck entwickelte Strategien zur Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, um flexibler auf Kundenwünsche reagieren zu können. Getreu dem Motto „Mach Deinen Job zum Beruf“ würden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Schulungen und weitere Instrumente der Personalentwicklung an das Unternehmen gebunden, berichtete Schuback. Damit stiege die Loyalität und Motivation der Beschäftigten, so die Personalentwicklerin, und das wiederum diene dem obersten Ziel des Unternehmens - der Kundenzufriedenheit.    

Dass sich eine Umwandlung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse bei bestimmten Voraussetzungen finanziell lohnen könne, davon konnten sich die Anwesenden in den Vorträgen von Geschäftsführer der SHBB Steuerberatungsgesellschaft mbH Thomas Jürs sowie Kinga Zarobkiewicz vom Jobcenter Stormarn überzeugen.

Für weitere Informationen zur Veranstaltung und zum Thema steht das Projektteam unter Tel. (0 41 02) 80 78 – 0 oder Tel. (040) 348 599 920 zur Verfügung. Gefördert wird „ProJob!“ aus dem Landesprogramm Arbeit mit Mitteln des Europäischen Sozialfons (ESF), durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein sowie vom Jobcenter Stormarn.