Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein

Projekt Technische Hauptschule

Über einige Unterrichtsstunden mehr in der Woche freuen sich die Schüler der Anna-Siemsen-Schule aus Lübeck nicht immer – darüber, dass sie nach drei Jahren viel über verschiedene Berufe gelernt haben und es ihnen viel leichter fallen wird, einen Ausbildungsplatz zu finden, umso mehr. Das Projekt wird vom Jugendaufbauwerk der Wirtschaftsakademie in Lübeck angeboten und nennt sich „Technische Hauptschule“.

Um sich von dem Modell ein Bild zu machen haben wir, die Klasse 8b der Otto-Passarge-Schule aus Lübeck, einen Vormittag im Jugendaufbauwerk verbracht. Bei einem Vortrag von Arnold Bruhn erfuhren wir, dass wir Hauptschüler es viel schwerer haben als andere, später einen Ausbildungsplatz zu finden. Darum kommen die Anna-Siemsen-Schüler jede Woche für einen Nachmittag hierher – aber erst ab der siebten Klasse. In der „Technischen Hauptschule“ kann man insgesamt fünf Berufsfelder, beispielsweise Metallbau, entdecken. Außerdem gibt es noch Gartenbau, Handel- und Lagerwirtschaft, Berufe in Hotels und Gaststätten und Holzbau.

In der siebten Klasse müssen die Schüler dann alle fünf Berufsfelder ausprobieren – jedes für sieben Wochen. Dabei sollte man sich Mühe geben, denn am Ende des Schuljahres werden die Leistungen beurteilt. Dann muss sich jeder Schüler für zwei Berufsfelder entscheiden.

Als Achtklässler arbeiten die Schüler dann jeweils zehn Wochen in den zwei Berufsfeldern, bis Ende des Halbjahres. Dann müssen sie sich für eins davon endgültig entscheiden. Im zweiten Halbjahr und in der gesamten neunten Klasse arbeiten sie dann 20 Wochen lang in diesem einen Berufsfeld und machen ein Betriebspraktikum. So sammeln sie jede Menge Erfahrung in diesem Beruf und haben hoffentlich bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Denn Arnold Bruhn sagte: „Die Betriebe stellen keine Auszubildenden ein, die nicht gut Lesen, Schreiben und Rechnen können.“ Aber wir wissen jetzt, dass auch Hauptschüler, wenn sie wollen, viel erreichen können.

Von der Klasse 8b der Otto-Passarge-Schule, Lübeck

(aus: Lübecker Nachrichten, 19.03.2009)