Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein

Einblicke in die Berufswelt: Was man mit "JobB" werden kann

Die Klasse 8 a der Grund- und Hauptschule am Steinkamp aus Neustadt besuchte auf Einladung der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein die Einrichtung „Junge Menschen in offener beruflicher Bildung“ in Oldenburg.

„Besser hätte der Morgen nicht anfangen können. Wir bekommen sogar ein richtiges Frühstück“, sagt Merlin aus der Klasse 8 a und nimmt sich ein Brötchen aus der hauseigenen Bäckerei. Nach dieser Stärkung erläutert uns der Geschäftsführer Hans-Rudolf Osbahr die verschiedenen Möglichkeiten, die die Bildungs-Einrichtung „JobB GmbH“, ein Tochterunternehmen der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein, Jugendlichen bietet: „Das Hauptziel ist die Berufsvorbereitung. Einigen jungen Menschen dient die Zeit hier aber erst zur Berufsfindung.“

Wir staunen über die Zahl der verschiedenen Angebote, die den Schülern hier gemacht werden: Man kann in der Bäckerei, Maler- und Holzwerkstatt, in der Gärtnerei, im Hauswirtschaftsbereich oder im Friseurberuf Erfahrungen sammeln.

„Wir sind über die Berufsberatung des Arbeitsamtes hierher gekommen“, sagen Tobias und Sebastian, beide 16 Jahre alt, auf unsere Frage, wie sie darauf gekommen sind, zu JobB zu gehen. Sie sind zwei der zur Zeit 77 Schüler, die die Einrichtung besuchen. Wer hierher kommt, macht in der Regel einen zehnmonatigen Lehrgang, der folgende Teile beinhaltet: Eine zweiwöchige Eignungsanalyse durch einen Bildungsbegleiter, der die Stärken und Schwächen in den Fächern Deutsch und Mathematik und in praktischen Bereichen testet, ein mehrwöchiges Praktikum, das von JobB begleitet wird, und eine Lernförderung. „Wer weiß von euch denn schon, was er nach der Schule für einen Beruf ergreifen möchte?“, fragt uns Hans-Rudolph Osbahr. Es melden sich nur wenige.

Wir dürfen in der Bäckerei und in der Holzwerkstatt erste Erfahrungen sammeln. „In der Bäckerei gibt es Hygienevorschriften, die beachtet werden müssen“, sagt Sabine Dittmann, die Bäckermeisterin. Wir waschen uns die Hände und bekommen weiße T-Shirts, Schürzen und eine Kopfbedeckung, bevor wir leckere Marzipankartoffeln und Mandelsplitterplätzchen herstellen. Ob das der richtige Beruf für uns ist? Nach etwa zwei Stunden ungewohnter Arbeit stöhnen einige: „Ich kann nicht mehr!“ Unsere Klassenkameraden freuen sich jedenfalls über ihre Tüten mit dem gut schmeckenden Inhalt – zu Hause kommt davon nichts mehr an.

Ein paar Türen weiter fertigen einige Jungen aus unserer Klasse in der Holzwerkstatt unter Leitung von Tischlermeister Oliver Zorndt (38) Klopfspechte oder Fisch-Topfuntersetzer an. In der Werkstatt arbeiten heute auch fünf Schüler der Einrichtung an ihren Werkstücken. „Wir bauen Steckspiele, Zeitungsständer, Fußbänke“, erzählt Dennis, „ich fühle mich hier wohl, und die Arbeit macht mir Spaß.“ „Von 7.30 Uhr bis 16.45 Uhr arbeiten die Jugendlichen montags bis donnerstags und am Freitag von 7.30 Uhr bis 14.00 Uhr“, erklärt uns Ralf Reitz, der als Lehrkraft bei JobB beschäftigt ist. „Drei Tage wird in der Werkstatt gearbeitet, und an zwei Tagen besuchen die Schüler die Berufsschule. Bei uns bekommen sie auch Bewerbungstraining und Lernförderung.“„Und wie viele Schüler finden nach den zehn Monaten einen Ausbildungsplatz?“, will Björn wissen. „Das waren etwa 75 Prozent nach dem letzten Lehrgang“, antwortet Ralf Reitz. „Einige finden einen Ausbildungsplatz, andere eine Arbeit, andere gehen zur Bundeswehr oder weiter zur Schule.“

(aus: Lübecker Nachrichten, 28.12.2006)