Bachelor of Science: Wirtschaftsinformatik

BWL trifft Informatik

Bereits über 6.000 Absolventen haben in den vergangen 40 Jahren mit einem dualen Studium an der Berufsakademie Schleswig-Holstein den Grundstein für ihr zukünftiges Berufsleben gelegt. Einer von ihnen ist René Bröcker aus Waren (Müritz), der im Anschluss nicht nur den klassischen Weg des Angestelltendaseins wählte, sondern neben seinem Job auch noch ein eigenes Unternehmen gründete. Bröckers Werdegang zeigt deutlich, wie vielfältig die Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung nach einem Studium an der Berufsakademie sind.

Doch von vorne: Im Jahr 2007 zog der damaligen Abiturient nach Kiel, um einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftsinformatik an der Berufsakademie Schleswig-Holstein zu erlangen. Das bedeutete für ihn, in den kommenden drei Jahren nicht nur im Hörsaal zu sitzen, sondern sein erlerntes Wissen im Berufsalltag der Investitionsbank Schleswig-Holstein umsetzen zu können. Bei dieser Entscheidung spielte die finanzielle Unabhängigkeit eine wichtige Rolle. „So war ich nicht auf die finanzielle Unterstützung meiner Eltern angewiesen und konnte parallel zum Studium bereits mein eigenes Geld verdienen“, kommentiert Bröcker den Vorteil der monatlich üblichen Gehaltszahlung der ausbildenden Unternehmen.

Das Studium der Wirtschaftsinformatik bringt Informatik und Betriebswirtschaft zusammen. Das kann in der Praxis bedeuten, Telefonanlagen und Computer in einem Unternehmen auszuwählen und entsprechend umzusetzen. Es geht meist darum, Kommunikations- und Arbeitsprozesse durch eine sinnvolle Auswahl der IT-Ausstattung zu ermöglichen. Auch Positionen im Service und Vertrieb werden zunehmend von Wirtschaftsinformatikern besetzt. Dafür sind unter anderem Marketing-Kenntnisse erforderlich. René Bröckers Erwartungen waren zu Beginn gering, assoziierte er doch lediglich Werbung und Verkauf damit. Es kam anders: „Der Dozent hat uns den wissenschaftlichen und mathematischen Hintergrund von Marketing gezeigt. Er hat Marketing als Königsdisziplin verstanden, da es viele spannende Teilbereiche beinhaltet, die sehr viel strategischer ausgerichtet sind als man das vermutet.“

Mit dem Abschlusszeugnis in der Tasche, entschied sich René Bröcker dafür, weitere Jahre in Hörsälen zu sitzen und Professoren zu lauschen. Er absolvierte neben dem Beruf ein Masterstudium der Wirtschaftsinformatik an der Christian-Albrecht Universität in Kiel. Dort war er oft seinen Kommilitonen voraus, wenn es darum ging die theoretischen Inhalte in einen direkten praktischen Zusammenhang zu stellen. Allerdings gibt René Bröcker zu: „Manchmal bremste mich das auch. Bei der ein oder anderen Theorie fehlte mir dann der Praxisbezug.“

Parallel zum Studium arbeitete er deshalb seit April 2011 als Software-Entwickler bei der Vater Unternehmensgruppe. Dort programmierte er vornehmlich Webanwendungen und Apps für Smartphones und Tablets, die der Unterstützung und Verbesserung von Arbeitsprozessen dienten. Die im Studium erlernten Programmiersprachen waren eine solide Grundlage dafür. Sprosse für Sprosse kletterte er die Karriereleiter empor. Zuletzt war er als Senior Consultant für den Bereich „Mobile & Web“ verantwortlich. Das bedeutete weniger Programmierarbeit, stattdessen mehr Kundenkontakt, Projekte organisieren und Aufgaben in einem Team koordinieren.

Die Zeit an der Berufsakademie hinterließ noch weitere Spuren in Bröckers Leben: Er lernte dort Johannes Tiemeyer kennen, mit dem er gemeinsam, neben den normalen Jobs, eine Internetplattform aufbaute, auf der gebrauchte Fahrräder und Zubehör gehandelt werden. Ob schnelles Rennrad oder gemütliches Stadtfahrrad, unter www.buymycycle.com kann jeder sein gebrauchtes Fahrrad mit Foto und Verkaufsangebot einstellen und auf einen Käufer hoffen. Es ging René Bröcker in erster Linie nicht darum, sich selbstständig zu machen, hauptsächlich trieben ihn sein Interesse und Wissensdurst an: „Wir sind nur zu zweit und machen ganz viel selber. Da lernt man eine Menge.“ René Bröcker bemerkt, dass auch hier das Wirtschaftsinformatikstudium hilft: „Wir haben die besten Voraussetzungen durch das Studium mitbekommen. Einerseits durch die Vielfältigkeit der Inhalte, aber auch, dass wir gelernt haben, uns schnell und selbstständig in die unterschiedlichsten Themengebiete einzuarbeiten.“ Diese Vielseitigkeit machte sich erst im Berufsalltag im vollen Umfang bemerkbar. Für die Gründung der Plattform waren interdisziplinäre Kenntnisse unerlässlich, denn Bröcker und Tiemeyer mussten alles selbst machen: einen Businessplan erstellen, sich ein Marketingkonzept überlegen, die Plattform programmieren und Buchhaltung führen. Natürlich sind sie auch schon das ein oder andere Mal an ihre Grenzen gestoßen, doch sie geben nicht auf: „Wir sind keine Grafikdesigner. Wir sind keine Rechtsanwälte. Da holen wir uns dann Unterstützung.“

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