Geprüfte/r Industriemeister/in für Papier- und Kunststoffverarbeitung (IHK)

Vom Quereinsteiger in der Branche zum Industriemeister für Papier- und Kunststoffverarbeitung (IHK) - Jens Sörensen hat beruflich schon viel erreicht. Nach seiner Ausbildung zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer arbeitete er zunächst kurz in seinem erlernten Beruf und wechselte vor 18 Jahren in die Firma Schur Star Systems in Flensburg, in der er auch heute noch tätig ist. Das international aufgestellte Unternehmen stellt Verpackungen und die entsprechenden Maschinen her. Dort arbeitete er zunächst als Maschinenführer, unter anderem für die Produktion von Windel-  und Systembeuteln. Nach und nach kamen weitere Tätigkeiten dazu und er übernahm am Flensburger Standort Verantwortung als Ausbilder und Brandschutzbeauftragter.

Als er gefragt wurde, ob er sich zum geprüften Industriemeister Fachrichtung Papier- und Kunststoffverarbeitung (IHK) weiterbilden möchte, zögert er nicht lange. 2013 begann für Jens Sörensen die berufsbegleitende Weiterbildung bei der Wirtschaftsakademie in Elmshorn. Anfangs fiel ihm das Lernen jedoch sichtlich schwer: „Ich war seit 15 Jahren aus der Schule raus. Zudem betreibe ich gemeinsam mit meiner Frau noch einen Eventservice.“ Das hieß für ihn die Arbeit mit der Weiterbildung zum Industriemeister zu verbinden und auch oftmals Sonntags zu lernen, statt mit seinen Kindern zu spielen. „Um diese intensive Zeit durchzustehen, braucht man auf jeden Fall die Unterstützung der Familie“, ist sich Sörensen sicher. Aber auch der Gruppenzusammenhalt und den angehenden Industriemeistern half beim Durchhalten. Sie lernten gemeinsam, gaben sich gegenseitig Nachhilfeunterricht und profitierten von den unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen. Überhaupt sieht er es als großen Vorteil gegenüber einem Studium, dass er während des theoretischen Unterrichts auf sein Fachwissen aus der Praxis zurückgreifen kann.

Im ersten, allgemeinen Teil des Lehrgangs, stehen unter anderem die Themen BWL, Rechnungswesen, Naturwissenschaften, Projektleitung und Zusammenarbeit im Betrieb auf dem Plan. In der sogenannten „handlungsspezifischen Qualifikation“ drehte sich dann alles um Technologien der Papier- und Kunststoffverarbeitung, flexible Packstoffe und -mittel sowie Führung und Organisation im Betrieb. „Insbesondere das Thema BWL hat mir geholfen, über den Tellerrand zu schauen und auch an der Maschine betriebswirtschaftlich zu denken“, berichtet der Verpackungsspezialist. Einen umfangreichen Verbesserungsvorschlag machte er daher gleich zum Thema seiner abschließenden Meisterarbeit: „Ich habe mit Hilfe der 5-S-Methode die Rüstzeit, das heißt die Umbauzeit der Maschine für neue Produkte, optimiert.“ Zuvor waren die Werkzeuge, welche dafür benötigt wurde, einzeln in der Halle verteilt und mussten erst zeitintensiv zusammengesucht werden. Jens Sörensen überlegt sich ein System, bei dem die einzelnen Arbeitsgeräte mit einem Code versehen und gescannt wurden, sodass das dann der genaue Standort benannt werden konnte. „So haben wir viel Suchzeit gespart und deutlich effizienter gearbeitet.“ 2015 ist es geschafft, nach den umfangreichen Prüfungen vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) konnte er seinen IHK-Abschluss entgegennehmen.

Anschließend übernahm er in der Firma neue Aufgaben und unterstützte beispielsweise die Ingenieure am Hauptstandort in Dänemark bei der Entwicklung einer neuen Maschine. Schmunzelnd berichtet er: „Ein dänischer Ingenieur sagte, dass man eine Maschine gut zusammenbauen kann, wenn man einen Ingenieur und einen Bauern gemeinsam im Team hat und somit Theoretiker und Praktiker zusammentreffen.“ Sörensen, der mit seiner Familie auf einem Gehöft lebt, konnte sein umfangreiches Wissen aus der Praxis einbringen und den Aufbau der Maschine dadurch optimieren. Auch nach Australien führt ihn sein Job, wo er die Mitarbeiter eines neu dazugekommenen Werkes einarbeitete und die Maschinen mit aufbaute.

Und wie sieht seine tägliche Arbeit aus? Als Allrounder mit jeder Menge Erfahrung kann er inzwischen fast jede Maschine fahren und unterstützt so seine Kollegen bei Schwierigkeiten und Personalengpässen. „Ich habe Spaß daran, bei Problemen eine schnelle und praktische Lösung zu finden und effizient zu arbeiten“, berichtet er. Sein Wissen aus dem Industriemeisterlehrgang setzt er aber nicht nur im Job um, er gibt es inzwischen auch an den Meisternachwuchs an der Wirtschaftsakademie weiter. „Schon während der Weiterbildung habe ich gemerkt, dass es mir großen Spaß macht, Leuten etwas beizubringen und Themen zu präsentieren. Daher unterrichte ich jetzt das Thema‚ flexible Verpackungen’.“ Zurück auf die Seite der Lernenden zieht es ihn vorerst jedoch nicht: „Erst einmal reicht es und ich brauche eine Pause, für mich und meine Familie.“ Für den ehrgeizigen Harisleer ist an dieser Stelle jedoch sicher noch nicht Schluss.

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