Kauffrau/-mann im Einzelhandel/Geprüfte/r Handelsfachwirt/in (IHK)

Karriere auf die schwedische Art

Gleich drei Abschlüsse erhielt Sandra Schlahn innerhalb von 33 Monaten. Sie absolvierte zuerst ihre Ausbildung zur  Kauffrau im Einzelhandel bei IKEA in Kiel und qualifizierte sich zusätzlich in kürzester Zeit an der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in Husum zur geprüften Handelsfachwirtin (IHK) und als Ausbilderin. Seitdem sind einige Jahre vergangen und sie erklimmt Schritt für Schritt die nächsten Sprossen der Karriereleiter. Derzeit ist Sandra Schlahn „Store Manager Deputy“ bei Ikea. Das heißt, sie wird dafür ausgebildet, zukünftig einen Ikea-Markt zu leiten. Mit dieser Position ist sie mehr als glücklich: „Man verbringt ja den größten Teil seines Lebens bei der Arbeit, deshalb sollte diese auch Spaß machen.“ Doch wie fand die gebürtige Kielerin ihren Weg?

Sandra Schlahn lernte ursprünglich einen typisch norddeutschen Handwerksberuf: sie wurde Segelmacherin. Nach einiger Zeit merkte sie jedoch, dass dies nicht ihr Traumberuf war. Sie machte das Fachabitur und saß nach Abschluss im Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit. „Mir war schnell klar, dass ich etwas mit Menschen machen wollte. Das hat mir während meines Fachabiturs sehr gefehlt.“ Die damalige Arbeitsagenturberaterin machte sie auf die Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel aufmerksam. Sie entschied sich, den Schritt zu wagen und bewarb sich erfolgreich bei Ikea. „Eine Ausbildung bei Ikea zu machen hat mir direkt zugesagt. Hier sah ich damals bereits viele Möglichkeiten, um mich weiterzuentwickeln.“

Dies sollte sich bewahrheiten. Ikea unterstützt seine Mitarbeiter bei der persönlichen Karriereplanung und schlug daher Sandra Schlahn vor, gleich noch die Weiterbildung zur geprüften Handelsfachwirtin (IHK) sowie den Ausbildereignungsschein bei der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein zu absolvieren. Heute denkt sie gerne an diese Zeit zurück: „Besonders die Praxisnähe der Dozenten hat mir sehr gut gefallen. Zum Beispiel Arbeitsrecht kann manchmal sehr trocken sein, aber die Dozenten haben es geschafft, es uns anschaulich zu erklären“. Auch wenn es stressige Phasen gab, hat Sandra Schlahn das Arbeitspensum an der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in guter Erinnerung: „Es hat einfach gepasst wie viel Zeit ich an der Wirtschaftsakademie verbrachte und wie viel ich zusätzlich lernen musste. Das war nicht so wie man es manchmal von Studierenden hört. Ich musste mich nicht nächtelang einsperren. Viel zu tun, gab es natürlich trotzdem, aber es war immer machbar.“

Sandra Schlahn liebt die Veränderung und ist dabei auch örtlich flexibel: Nach der Ausbildung stieg sie als Teamassistentin im Kieler Einrichtungshaus ein und wurde nach einiger Zeit zur Teamleiterin befördert. Darauf folgte eine Stelle als Abteilungsleiterin Verkauf in Düsseldorf und schließlich zu ihrer derzeitigen Stelle nach Hannover, wo sie verantwortlich für das gesamte Einrichtungshaus ist. Ihrem Ziel, ein eigenes Einrichtungshaus zu leiten kommt sie immer näher. „Manche Einzelhändler sind darauf bedacht, sich in einer Region auszubreiten. Das ist bei Ikea anders. Dadurch hat man auch ganz andere Möglichkeiten.“ Auch ein Auslandsaufenthalt ist denkbar. „Es ist für mich schon immer wieder eine persönliche Herausforderung umzuziehen.“, gibt Sandra Schlahn zu, denn jeder Umzug bedeutet einen Neubeginn. Doch das macht ihr Spaß und sie kann so neuen Herausforderungen begegnen.

Besondere Freude hat sie an der Arbeit mit Menschen, Kunden und Kollegen. Das Thema Mitarbeiterführung ist dabei zentral für ihren Arbeitsalltag. Derzeit unterstehen ihr etwa 250 Mitarbeiter. Zehn Abteilungsleiter werden von ihr bzw. dem Store Manager direkt geführt. „Der Ausbildereignungsschein war ein sehr guter Einstieg, um Führungsverantwortung zu übernehmen“, berichtet Sandra Schlahn. Es war der erste Schritt von vielen weiteren Führungsseminaren, die sie seitdem bei Ikea absolviert hat.

„Ich habe bei der Wirtschaftsakademie sehr viel für mich persönlich mitgenommen. Führen ist auch immer eine Auseinandersetzung mit sich selbst und sich bewusst zu werden, dass man für jemand anderen Verantwortung übernimmt.“ Auch heute noch ist sie überzeugt, dass man den Kollegen anmerkt, ob jemand einen Ausbildereignungsschein gemacht hat: „Das liegt daran, dass diejenigen das oft freiwillig gemacht haben und dementsprechend großen Spaß daran haben, bewusst zu führen, anderen Menschen Dinge zu erklären und zu vermitteln.“ Sie gibt dazu folgendes Beispiel: „Manche Führungskräfte verteilen Aufgaben, in dem sie einfach Mails verschicken.“ Sandra Schlahn weiß jedoch: „Es ist wichtig, auf den einzelnen Mitarbeiter direkt einzugehen. Man muss sich immer die Frage stellen, ist er oder sie überhaupt fähig seine Aufgabe zu erfüllen oder muss man noch etwas dazu erklären.“

Die Entscheidung in den Einzelhandel zu gehen, bereut Sandra Schlahn keinen einzigen Tag: „Ich mag es, dass man schnell etwas verändern kann. Wenn man den Kunden aumerksam zuhört, kann man ein schnelles Feedback bekommen und selbstständig Dinge sofort verbessern.“ Noch heute begegnen ihr im Arbeitsalltag immer wieder Themen, die sie aus der Zeit bei der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein kennt. „Ich bin froh, dass ich dann schon einmal Grundlegendes dazu gelernt habe“, erklärt sie, wenn es zum Beispiel um arbeitsrechtliche Fragestellungen geht. „Zu Themen wie Steuerrecht musste ich mich Anfangs etwas mehr zwingen. Mir wurde erst im Laufe der Jahre bewusst, um was für ein wichtiges Themenfeld es sich handelt.“ Als Store Managerin Deputy ist Sandra Schlahn dafür verantwortlich den unternehmerischen Erfolg sicherzustellen, das heißt den Umsatz und die Kosten in Relation zu setzen, um erfolgreich zu wirtschaften. Dabei ist es wichtig, Abläufe zu organisieren, eine Struktur zu ermöglichen, in der Mitarbeiter ihre Aufträge angemessen umsetzen können und somit das Einkaufserlebnis der Ikea-Kunden zu einem besonderen Erlebnis zu machen.

Sandra Schlahn hat einen Job gefunden, bei dem sie ihre Ziele verwirklichen kann. Sie ist froh, dass sie sich für die Kombination aus Aus- und Weiterbildung an der Wirtschaftsakademie entschieden hat. „Ich habe vor der Entscheidung gestanden, ob ich studieren soll, aber ich fand es schon damals besonders gut, dass ich mir während meines Jobs, praxisbezogen Wissen aneignen konnte. Ich habe so viele theoretische Bausteine an die Hand bekommen, die ich nach und nach im Job einsetzen konnte. Es war für mich eine ideale Alternative, um gleichzeitig arbeiten zu gehen und mich persönlich weiterzuentwickeln.“


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