Geprüfte/r Technische/r Betriebswirt/in (IHK)

Begehrte Schnittstelle zwischen Technik und Betriebswirtschaft

Auf seinen neuen Arbeitsplatz wird Christian Köhne von Freunden und Bekannten oft angesprochen: Der 29 jährige arbeitet im Kernkraftwerk Brunsbüttel und ist hier in der Maschinen- und Anlagentechnik angestellt. Dazu gehören beispielsweise Instandhaltungsmaßnahmen und die Betreuung von Sicherheitsüberprüfungen an Armaturen, Pumpen und Rohrleitungen der kerntechnischen Systeme. Dass sein Arbeitsumfeld ungewöhnlich ist, zeigt sich schon auf dem Weg dorthin. „Obwohl ich im Verwaltungstrakt arbeite, muss ich jeden Morgen mehrere Sicherheitsschleusen passieren“, erzählt er. Ins Berufsleben gestartet ist der Hemmingstedter ursprünglich mit einer Ausbildung zum Industriemechaniker im VELUX-Konzern. Nach dem erfolgreichen Abschluss und erster Berufspraxis entschied er sich, nochmals die Schulbank zu drücken: „Ich habe erst meine Fachhochschulreife nachgeholt und dann in Flensburg Maschinenbau studiert“, berichtet er. Mit dem neuen Wissen arbeitete Köhne zunächst als Projektingenieur im Bereich Entwicklung und Fertigungstechnik bei VELUX. Da sich der Jobmarkt während der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 auch für Ingenieure verschlechterte, begann er eine Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt (IHK) bei der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in Rendsburg. „Ich wollte die Lücke zur Betriebswirtschaft schließen, da es in Zukunft immer wichtiger sein wird, den Spagat zwischen Technik und Betriebswirtschaft zu beherrschen“, so der Diplom-Ingenieur.

Und so standen für ihn während des Vollzeitlehrgangs neun Monate lang unter anderem Grundlagen der Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen, Produktionswirtschaft, Finanzierung und Investitionsrechnung, Unternehmensführung und Personalmanagement auf dem Programm. Besonders begeistert hat ihn der Praxisbezug der Weiterbildung: „Die Dozenten kommen selbst aus Unternehmen und konnten uns alles super an technischen Beispielen erklären, so dass das neue BWL-Wissen gleich viel besser zu verstehen war. In seiner Projektarbeit verband er dann gleich beide Bereiche und stellte eine Amortisationsrechnung für eine von ihm konstruierte Maschine auf. Aber auch das Know-how in den Bereichen Personalführung und Qualitätsmanagement kann er gut in seinem jetzigen Job anwenden.

Beschäftigten in der Industrie kann er die Weiterbildung nur empfehlen: „Mit dem Technischen Betriebswirt in der Tasche setzt man sich definitiv von seinen Mitbewerbern ab. Mitarbeiter, die über technisches und betriebswirtschaftliches Wissen verfügen sind so begehrt, dass Unternehmen inzwischen auf mich zukommen und mir Stellen anbieten.“

Ein Kieler macht Karriere

Francisco Lopez, waschechter Kieler mit spanischen Vorfahren, hat sich wohl für das Berufsfeld schlechthin entschieden, in dem man in einer Hafenstadt arbeiten kann: „Ich habe meine Ausbildung zum Schiffbauer bei dem Kieler Traditionsunternehmen Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH (kurz: HDW) gemacht. "Das Maritime liegt mir einfach“, erzählt der 46jährige Familienvater. Doch beim Schiffsbauer alleine sollte es nicht lange bleiben. „Einige Jahre war ich  Erster Werker und Meistervertreter, wollte aber beruflich noch höher hinaus und entschied mich, meinen Industriemeister Fachrichtung Metall (IHK) zu machen“, erzählt Francisco Lopez weiter. Mit der Unterstützung seines Arbeitgebers HDW drückte Lopez von 1998 bis 2001 die Meisterschulbank bei der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in seiner Heimatstadt Kiel. „Meine Mitstreiter und ich hatten fast jeden Abend in der Woche Unterricht. Neben dem Job ist das natürlich eine ziemliche Herausforderung“, sagt der 46Jährige, fügt jedoch augenzwinkernd hinzu, „Aber wie sagt man doch so schön – ohne Fleiß, keinen Preis. Und schließlich wollte ich meinen Meister unbedingt schaffen!"

Und das hat Lopez auch: Nach drei Jahren Meisterschule mit Fächern wie Volkswirtschaftslehre, Recht, Projektmanagement, Kommunikation oder auch Betriebstechnik und Personalführung war es dann für den Kieler und seine 20 Mitstreiter so weit: Nach der Abschlussprüfung konnten alle Teilnehmer ihren Meisterbrief in den Händen halten. „Da war ich schon ein wenig stolz“, erinnert sich Lopez bescheiden, „zu mal ich mit einer Eins als Lehrgangsbester abgeschlossen habe.“

Beruflich lohnte sich die Weiterbildung schnell für den frischgebackenen Meister. „Ich bin schon während der Meisterschule bei uns in die Konstruktion und später auch in den Einkauf gewechselt und habe unter anderem das Claimmanagement bei HDW mit aufgebaut. Letzteres wird heute im gesamten Thyssen-Krupp Konzern mit Erfolg gelebt“ Doch schon ein Jahr nach der Meisterprüfung reizte es Francisco Lopez weiter zu lernen. „Ich wollte mich noch weiter qualifizieren – und habe mich dann wieder für eine Weiterbildung bei der Wirtschaftsakademie entschieden. Diesmal zum technischen Betriebswirt (IHK).“

Die Weiterbildung, die speziell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Industriemeistern, Technikern und Ingenieuren zugeschnitten ist, dauerte weitere zwei Jahre und bedeutete wieder einmal fleißiges Lernen neben dem Job für den ehrgeizigen Kieler. „Ich habe fast jeden Abend mit drei weiteren Teilnehmern zusammen gesessen und die Unterrichtseinheiten nachgearbeitet. Dieses Mal standen vor allem Volks- und Betriebswirtschaft sowie Management für uns auf dem Programm“, erinnert sich Lopez, der mittlerweile im Vertrieb für einen großen Stuttgarter Konzern der Automobilbranche arbeitet.
 
Auch die Abschlussprüfung zum Technischen Betriebswirt (IHK) hat der Kieler mit Bravour gemeistert und freut sich, auch diesen Schritt  auf der Karriereleiter geschafft zu haben. „Ich habe durch den Unterricht ein völlig neues Weltbild bekommen, habe jetzt eine ganz andere Sicht fürs Betriebswirtschaftliche. Das hilft mir auf jeden Fall sehr bei meiner täglichen Arbeit.“ Beruflich wird es Francisco Lopez dennoch bald wieder zurück in seinen Heimathafen ziehen. „Wenn alles gut geht, bin ich bis zum Ende des Jahres wieder bei der HDW. Darauf freu ich mich schon sehr!"

UPDATE (Januar 2009)

Zurück zur HDW AG ging es für Lopez letztendlich doch nicht – seiner Heimatstadt ist der gebürtige Kieler aber trotzdem treu geblieben. Seit Januar 2009 arbeitet der Technische Betriebswirt (IHK) bei der Medizintechnik-Firma Stryker in Kiel-Schönkirchen – und ist überglücklich mit seinem neuen Job. „Ich bin bei Stryker gemeinsam mit einem Kollegen für die Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen im Qualitätsmanagement im Schönkirchener Werk der weltweit operierenden Firma zuständig und unterstehe dem Qualitätsdirektor“, erzählt er nicht ganz ohne Stolz. Lopez fühlt sich sehr wohl in seinem neuen Betrieb und freut sich über die spannenden, neuen Aufgaben, die jetzt für ihn anstehen. „Als Spezialist für Qualitätsmanagement habe ich jetzt mit allen Dingen zu tun, welche für das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung relevant sind.“

Danach gefragt, ob ihm seine Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt bei seiner täglichen Arbeit hilft, antwortet der Deutsch-Spanier mit einem klaren „Ja“. Er ergänzt: „Ohne das Wissen, das mir an der Wirtschaftsakademie vermittelt wurde, wäre gar nicht daran zu denken, in einem so komplexen und anspruchsvollen Job zu arbeiten.“ Abschließend fügt er hinzu: „Aber wie heißt es doch so schön: Stillstand ist Rückschritt. Glücklicherweise tut mein jetziger Arbeitgeber aber so viel für die Qualifikation seiner Mitarbeiter, dass ich Gelegenheit haben werde, noch jede Menge dazuzulernen.“

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