Chronik der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein

Hinter jedem Erfolg steht eine Idee. Hinter jeder Idee stehen Menschen, die sie erdacht und die sich für die Durchsetzung engagiert eingesetzt haben. So ist es auch bei der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein.

Eine zündende Idee

Der schleswig-holsteinische Unternehmer Konsul Hans-Detlev Prien und der spätere Landesbankdirektor Wilhelm Ehlers hatten aus der Wirtschaft, aber auch von der Landesregierung Signale empfangen, dass es an qualifiziertem Nachwuchs im Lande fehle. Mit diesem Wissen und in Kenntnis der Unterstützungsbereitschaft vieler Unternehmen in Schleswig-Holstein, der damaligen Landesregierung und der Stadt Kiel wurde die Idee zu einem Verein geboren, der sich ausschließlich mit Aufgabenstellungen der Aus- und Weiterbildung beschäftigen und eine "Wirtschaftsakademie" zur Heranbildung besonders qualifizierten Nachwuchses für die Wirtschaft des Landes zu entwickeln sollte.

Die ersten Kapitel

Am 31.05.1967 kam es mit Beteiligung von Vertretern schleswig-holsteinischer Unternehmen und der Industrie- und Handelskammern zur Vereinsgründung – zunächst als Förderverein für die Höhere Wirtschaftsfachschule, die sich in Regie der Landeshauptstadt befand. Nach Abstimmungsgesprächen mit Vertretern der Landeshauptstadt und der Landesregierung übernahm der Förderverein 1968 die alleinige Trägerschaft der Höheren Wirtschaftsfachschule und erweiterte das Angebot der Fachschule um Aus- und Fortbildungsveranstaltungen für Beschäftigte aus Wirtschaft und Verwaltung.

Mit der Geschäftsleitung wurden Manager mit nationaler Erfahrung beauftragt. Es etablierte sich neben den hauptamtlich Beschäftigten ein freiberuflicher Dozentenpool mit anerkannten Fachleuten aus allen Wirtschaftsbereichen. Im Rahmen einer bundesweiten Neuorientierung im Bildungswesen verlieh der Kultusminister des Landes Schleswig-Holstein der Höheren Wirtschaftsfachschule nach erfolgreich abgeschlossener Akkreditierung den Status einer staatlich anerkannten Fachhochschule, Bereich Betriebswirtschaft. Zwei Jahre später wurde dieser Zweig vom Land übernommen und in die staatliche Fachhochschule Kiel integriert. Zu diesem Zeitpunkt wurde der eingetragene Verein umbenannt in Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein und gleichzeitig neben dem Bereich Aus- und Weiterbildung eine eigene staatlich anerkannte Fachschule für Betriebswirtschaft gegründet.

Positive Wirkung im ganzen Land

Parallel zu diesen Entwicklungen entstand im Kieler Stadtteil Wik mit Unterstützung der Wirtschaft, der Stadt Kiel, des Landes Schleswig-Holstein und der Bundesrepublik ein neues zweigeschossiges Akademiegebäude sowie ein zehngeschossiges Studentenwohnheim. Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg wünschte der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein anlässlich der Einweihung eine positive Ausstrahlung ihrer Aktivitäten auf das ganze Land. Dieser Wunsch wurde Wirklichkeit.

1973 wurde eine Fachschule für Betriebswirtschaft in Lübeck und ein Jahr später eine in Flensburg errichtet. 1974 wurde die Berufsakademie gegründet. Neben der parallel gegründeten Berufsakademie in Baden-Württemberg gehört die Wirtschaftsakademie damit zu den ersten Berufsakademien der Bundesrepublik Deutschland.

Überbetriebliches Ausbildungszentrum Elmshorn

Auf eine ähnliche Entstehungsgeschichte konnte das Überbetriebliche Ausbildungszentrum (ÜAZ) Elmshorn zurückblicken. Vertreter der Industrie- und Handelskammer, von interessierten Unternehmen aus der Region, der Kreise Pinneberg und Steinburg und der Stadt Elmshorn setzten 1974 mit der Gründung des eingetragenen Vereines zur Förderung des Überbetrieblichen Ausbildungszentrums Elmshorn eine langjährige Planung zur Einrichtung einer „ausgelagerten betrieblichen Lehrwerkstatt“ um.

Ziel des Ausbildungszentrums bei Gründung war es, der mittelständisch strukturierten Wirtschaft Möglichkeiten zur praxisbezogenen Ausbildung zu bieten. Der Bedarf der Wirtschaft wurde analysiert und es wurde festgestellt, dass durch das ÜAZ Auszubildende auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden müssten. Dringender Bedarf stellte sich auch im Elektro- und Metallbereich und in der Anpassungsfortbildung von Beschäftigten und Ausbildern dar. Später kam die Grundausbildung als Berufsvorbereitung hinzu. Mit Hilfe des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft, des Wirtschaftsministeriums Schleswig-Holstein und des Landesarbeitsamtes entstand 1978 ein Neubau im Ramskamp in Elmshorn.

Sowohl die Wirtschaftsakademie als auch das Überbetriebliche Ausbildungszentrum bauten ihre Bereiche Aus- und Weiterbildung ab 1978 weiter aus. Es entstand eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitsämtern und den Berufsförderungsdiensten der Bundeswehr. 1978 beteiligte sich die Wirtschaftsakademie an einer Initiative der Landesregierung, die zusammen mit dem Bund ein 800-Plätze-Programm zur Ausbildungsplatzverbesserung auflegte. Die Wirtschaftsakademie wurde zusammen mit anderen Bildungsunternehmen beauftragt, Aufgaben der Berufsvorbereitung sowie vorübergehend Aufgaben der Erstausbildung zu übernehmen. Die Aufstiegsfortbildung gewann für die Karriereplanung der Beschäftigten der schleswig-holsteinischen Wirtschaft größere Bedeutung. Die Nachfrage nach anerkannten Weiterbildungsabschlüssen stieg ständig, so dass das Angebot mit IHK-Abschlüssen, z.B. für Fachwirte, Fachkaufleute und Meister, stetig erweitert wurde. Anfang der 80er Jahre positionierte die Wirtschaftsakademie einen international operierenden Bereich.

Flexible, innovative Ausbildung

Das Angebot der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein bestehend aus Berufsakademie, Fachschule für Betriebswirtschaft in der Aus- und Weiterbildung mit den Teilbereichen Aufstiegs- und Anpassungsfortbildung für die Beschäftigten der schleswig-holsteinischen Wirtschaft und Verwaltung, berufliche Bildung für Jugendliche und Arbeitsuchende sowie nationale und internationale Projekte konnte in den folgenden Jahren stetig erweitert werden.

Mit einer laufenden Anpassung dieses Angebotes an den sich ändernden Bedarf in der Arbeitswelt wurde von der Wirtschaftsakademie auch eine fortlaufende inhaltliche Verbesserung ihrer Programme umgesetzt. Honoriert wurden diese Qualitätsanstrengungen der Wirtschaftsakademie mit einer kontinuierlichen regionalen und räumlichen Ausdehnung in Schleswig-Holstein.

Beim ÜAZ kam es ebenfalls zu Erweiterungen. In den 80er Jahren wurde der Bereich Elektronik aufgenommen, so dass Hydraulik und Pneumatik zum festen Bestandteil des Angebotes wurden. Es folgten die Einrichtung der Bereiche CNC, SPS, CAD und Mikroelektronik. Mit Unterstützung der Fritz-Landmann-Stiftung konnte mit der überbetrieblichen Ausbildung für Verpackungsmittelmechaniker begonnen und mit dem Bau eines eigenen Internats die Unterbringung der Teilnehmer gesichert werden.

Anpassungsfähige Organisation

Die stetige Expansion der Wirtschaftsakademie erforderte eine Umstellung in der Rechtsform des Vereines. Im Jahre 1988 wurde aus dem eingetragenen Verein ein Verein kraft staatlicher Verleihung.

Gute Nachbarn

Von 1990 bis 1993 brachte die Wirtschaftsakademie ihr Wissen in den Prozess der deutschen Einheit ein. Die drei Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern beauftragten die Wirtschaftsakademie, den Aufbau von Aus- und Weiterbildungseinrichtungen im Lande zu unterstützen. Nach drei Jahren konnten in Neubrandenburg, Greifswald, Rostock, Schwerin und Wismar gut funktionierende Bildungszentren übergeben werden. Das ÜAZ konzentrierte sich im Rahmen dieser Unterstützung auf den Standort Schwerin und errichtete dort von 1991 bis 1998 im Auftrag der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin ein Bildungszentrum mit gewerblich-technischem Angebotsschwerpunkt.

Vereint und gestärkt

Im Jahre 2004 kam es zur Fusion des Vereins kraft staatlicher Verleihung Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein mit dem Verein zur Förderung des Überbetrieblichen Ausbildungszentrum Elmshorn e.V. und gleichzeitig zu einer Überführung in die Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

Im 40. Jubiläumsjahr in 2007 ist die Wirtschaftsakademie mit vier Tochterunternehmen in den elf Kreisen des Landes und den vier kreisfreien Städten an 22 Standorten präsent.

Bildungsgeschäft im Wandel

Die Berufsakademie durchlief in den darauffolgenden Jahren einen stetigen Veränderungs- und Innovationsprozess. Die 2006 erfolgte Umstellung vom Diplom- auf den Bacheloabschluss ließ in 2009 erste Bachelorabsolventen verabschieden. Auch waren Kooperationen noch stärker gefragt als in den Vorjahren: 2007 erfolgte u. a. eine Kooperation mit der chinesischen Hochschule Zhejiang Economics and Trade Polytechnik (ZJETP) aus Hangzhou, 2012 mit dem irischen Waterford Institute of Technology sowie 2017 mit der Lillebaelt Academy in Dänemark.

Auch der Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung unterliegt in den folgenden Jahren zahlreichen Veränderungen: öffentlich geförderte Bildungsangebote ändern sich im Form, Durchführung und Umfang, neue Produkte aus dem Privatkundengeschäft halten Einzug im Programm. Webinare werden als neue Lernform in Kooperation mit Partnern erfolgreich umgesetzt.

Ab 2015 erweitert die Wirtschaftsakademie ihr Engagement bei Deutscheinstiegs-, Sprach- und Integrationskursen in einem erheblichen Maße. Landesweit werden in den folgenden Monaten und Jahren unter hoher logistischer Anstrengung und Kreativität bei der Suche nach geeigneten zusätzlichen Räumlichkeiten Sprachkurse erfolgreich umgesetzt.

Allein in 2016 werden über 3.000 Migrantinnen und Migranten auf den beruflichen und sprachlichen Einstieg im Norden vorbereitet.

50 Jahre Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein

In 2017 setzt sich unter dem Stichwort Digitalisierung der Innovationsprozess in der Wirtschaftsakademie fort und wird eines der bestimmenden Themen. So entschließt sich die Geschäftsführung, die Festveranstaltung zum 50jährigen Bestehen der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein den Zukunft und nicht einem Rückblick zugewandt unter das Leitmotiv "Digitalisierung in der Bildung" zu stellen. 

Berufsakademie wird DHSH

Für die Berufsakademie ergaben sich noch viel tiefgreifende Veränderungen: Ab 2015 begann im engen Schulterschluss mit dem Aufsichtsrat der Akademie ein Wandlungsprozess der Berufsakademie zu einer privaten dualen Hochschule für angewandte Wissenschaften.

2018 fand dieser Wandlungsprozess mit der Übergabe der staatlichen Anerkennung durch Wissenschaftsministerin Karin Prien seinen erfolgreichen Abschluss: Die Berufsakademie wird zur Dualen Hochschule Schleswig-Holstein (DHSH - staatlich anerkannte Hochschule für angewandte Wissenschaften in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein.